DER NINO AUS WIEN | ALICIA EDELWEISS

Freitag, 6. März 2020, 21:00 - 0:00

RÖDA Steyr

Wenn man nach so vielen Alben eines selbstbetitelt, dann muss es etwas Besonderes sein. Album Nummer 10, 10 Jahre Der Nino aus Wien,
es ist ein großes Jubiläum. Nicht viele haben vor 10 Jahren dem heute
als Bob Dylan vom Praterstern (mittlerweile Neo-Simmeringer) geadelten
Musiker eine derart langlebige und fruchtbare Karriere zugetraut.
Trotzdem ist Der Nino aus Wien voll mit dem typischen Pragmatismus des
Vollblutmusikers Nino aus Wien. Ich wollte meine Zeit lieber ins
Songwriting investieren als über einen Titel nachzudenken, meint er etwa
über die Namensgebung. So ist das Jubiläumsalbum so wie alle in seinem
Katalog: voll mit guten Songs, diesmal geschrieben in München, Zürich,
Locarno und Wien, wieder aufgenommen mit Wanda-Produzent Paul Gallister
im zweiten Wiener Gemeindebezirk, dem er trotz Umzug nicht ganz
entkommen kann. Neben Paul Gallister, der auch als Musiker auf dem Album
zu hören ist, wirkten noch Natalie Ofenböck, das Ensemble Franui und
die Ninoband (pauT, Raphael Sas, David Wukitsevits), die ihr 9jähriges
Jubiläum feiert, mit.
Der Nino aus Wien ist wahrscheinlich das persönlichste Album in Ninos
Karriere, gleichzeitig aber das mehrdeutigste. Die Texte erschließen
sich vielleicht erst nach mehrmaligem Hören, vielleicht auch gar nicht.
Wach (vielleicht das beste lange Lied das ich je geschrieben habe –
Nino) ist ein Tourtagebuch, das wohl nur er selbst gänzlich verstehen
kann. Unentschieden gegen Ried ist ein Protestlied gegen das mäßige
Niveau in den österreichischen Fußball-Profiligen. Wer ist der Ärgste?
wurde in Zürich auf einer Sauftour mit SRF 1-Showmaster Dominik Deville
geschrieben. Hirschstettner Lebensart ist eine Liebeserklärung an diesen
Teil der Donaustadt (22. Wiener Gemeindebezirk). Der Nino aus Wien ist
Ninos mit 20 Jahren verstorbenen Katze Lola gewidmet. RIP.
2008 erschien Der Nino aus Wiens damals noch akustisches
Singer-Songwriter-Debüt-Werk The Ocelot Show zu einer Zeit als es
wirklich nichts gab, das man damit vergleichen konnte. Österreich war
zuvor jahrelanges Sperrgebiet für intelligenten Pop (elektronische Musik
ausgenommen) gewesen. Danach ging es Schlag auf Schlag: eine Band
formierte sich hinter Nino, die bereits 2009 mit dem Hit Du Oasch und
dem dazugehörenden Album Down in Albern in die erste Liga der
österreichischen Indie-Welt aufstieg. Kurz darauf gab es die ersten
Nominierungen für den Amadeus Austrian Music Award, denen noch viele
weitere folgen sollten. Das 2011 folgende Album Schwunder war dann auch
nicht zufällig sein erstes Album welches es in die österreichischen
Verkaufscharts schaffte. Jedes danach sollte es Schwunder gleichtun.
2012 war das Bulbureal, 2014 waren es gleich zwei: das ruhige,
introspektive Bäume sowie das elektrische, weird-durchgeknallte Träume.
2015 entstand Unser Österreich, eine Kollaboration mit Ernst Molden. Am
Ende desselben Jahres folgte seine Werkschau Immer noch besser als
Spinat und 2016 seine erste EP mit Adria. Im gleichen Jahr hat er
schlussendlich, nach etlichen Anläufen, auch seinen Amadeus Award
bekommen und gemeinsam mit Natalie Ofenböck Das grüne Album
veröffentlicht, das der Steiermark gewidmet war. Im April 2017 erschien
Der Nino aus Wiens neuntes Album Wach.


„And do you remember that magical night/oh, dancing and singing on
the steps of the church/and you said, the devil is inside us, Alice/and
angels too/our lives led by magic“ („The Secret Garden“)

Das neue, zweite Album – nach dem 2016er Debüt „Mother, How Could
You“ und der 2012 erschienen Ep „ I should have been overproduced “ –
der in Wien lebenden und arbeitenden Alicia Edelweiss ist eine durch und durch erstaunliche Angelegenheit.
9 Songs (8 eigene und „Fare Thee Well“, ein englisches
Folk-Traditional), zeigen die poetische Kraft und Klarheit ihrer Musik
in einnehmender, an- und berührender Deutlichkeit. Schon ist mensch
versucht, das „magic“ aus dem oben zitierten „ The Secret Garden“, für
die Musikerin selbst ein Schlüsselstück ihrer jüngsten Arbeit,
aufzugreifen, und „Zaubermusik“ als Genre für ihr Schaffen zu
assoziieren.

In der sich Selbsterlebtes, Übersteigertes, Träume, Splitter von
Sagen oder aus Kinderbüchern zu einer so ganz anderen, mal
erschütternden, mal erheiternden künstlerischen Reflexion unserer
aller Wirklichkeit verbinden.
Was diese Musik jenseits solcher Begrifflichkeiten prägt, umfasst inhaltlich und formell ein erstaunliches Spektrum.

„Teilweise komödiantisch, teilweise auch sehr tragisch“ umriss
Alicia selbst einmal mit der ihr eigenen unprätentiösen Gelassenheit
die Themen ihrer Lieder.

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Der Nino aus Wien | Alicia Edelweiss 18.5 € / Ticket
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